Jörg Heinz | Kleine Schliessenkunde
Webseite der Marke Jörg Heinz der Jörg Heinz GmbH & Co. KG, Neulingen/Germany
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Kleine Schliessenkunde

Silberhalsreif aus Luristan

(Persien), ca. 1000 v.Chr.,

Kunstgewerbemuseum Köln.

Friedrich II mit Scheibenfiebel

Bild des thronenden Kaisers aus der

Manfred-Ausgabe des Falkenbuches.

Unteritalien, 13.Jh., Rom

Scheibenfiebel

im Motiv "Fremde beherbergen"

in der Nordrose des Freiburger

Münsters, um 1250

Scheibenfiebel, Merowingisch,

7. Jahrhundert. Broschierung auf

der Rückseite. Schmuck im Kunst-

gewerbemuseum Köln.

Hemdspange

Norwegen, 19. Jahrhundert,

Silber vergoldet. Aus Blech-

streifen gearbeiteter Dorn.

Gürtelschnalle

Siméon Pierre Devaranne,

Berlin, Kunsteisenguss,

19. Jahrhundert.

Kleine Schliessenkunde

von Reinhold Ludwig (Schmuckinstitut Ulm)

Pragmatische Menschen denken bei dem Wort Schloss zunächst weniger an eine Schmuckschließe als vielmehr an jene Vorrichtung, die Türen, Tore oder auch Fahrräder verschließt.

Wer bis heute ein tief sitzendes Interesse an allem Adligem verspürt, dem erscheinen möglicherweise herrschaftliche Prachtbauten vor dem geistigen Auge. So groß, so prächtig und geheimnisvoll Schlösser wie Versailles, Schönbrunn und Neuschwanstein auch sein mögen, sie sind ein Sonderfall der Geschichte, entstanden als repräsentative Behausung des europäischen Adels im Zeitalter der Renaissance ab etwa dem 16. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert, mit der Entstehung heutiger Staatsformen, war die Zeit dieser Schlösser bereits vorbei, auch wenn sie immer noch von Königsfamilien bewohnt und selbst von demokratischen Politikern gerne zu repräsentativen Anlässen genutzt werden. Ihr musealer Charakter ist offensichtlich, was keineswegs heißt, dass wir ganz auf diese Schlösser verzichten möchten. Wie sich jetzt in der deutschen Hauptstadt Berlin zeigt, werden große Schlösser immer noch gebaut, selbst wenn kein Geld dafür da ist. Sie werden gebraucht als Orte der Erinnerung, mit denen Wunden der Vergangenheit geheilt und nationale Identität hergestellt wird.

 

Die Schlösser der Renaissance und des Barock fußten auf antiken Form- und Proportionslehren. Harmonisch gegliedert, ausgestattet mit kostbaren Materialien und Einrichtungsgegenständen, von herrlichen Gärten umgeben, ist es nicht übertrieben, sie als die größten je gebauten Schmuckstücke zu bezeichnen. Dies kann das Schloss an Türen, das trotz seiner dominierenden Funktion auch Zierelemente aufweisen kann, nicht von sich behaupten. Dennoch ist es dem Schmuckschloss, auch Schließe genannt, im Sinne des Wortes, verwandt. Aber während das Türschloss verschließt, um aus-, ein- und zuzusperren, dient die Schmuckschließe nur edlen Motiven. Sie verschließt das Kostbare nicht, um es zu verbergen, sondern um es zu zeigen. Die Schmuckschließe schützt zwar auch vor Verlust, aber sie verwehrt keinen Zugang.

Einfach fibelhaft

Die Geschichte des Schmuckschlosses reicht bis weit in die Vorzeit zurück. Sie entstand, als die Menschen anfingen, Metalle zu schmieden und daraus Waffen, Geräte und Schmuck fertigten. Ihre archaischste Form, zwei umgebogene Drahtenden, konnten sich die Menschen der Bronze- und Eisenzeit von den Fingern abgucken. Ein prägnantes Beispiel für diese Urschließe zeigt der Halsreif im Kunstgewerbemuseum der Stadt Köln, Stiftung Elisabeth Treskow, der etwa 1000 Jahre vor Christi entstanden ist. Der geschmiedete Reif aus Silber weist vorne eine Verdickung als Zierteil auf. Der Hakenverschluss auf der Rückseite hat ausschließlich eine verbindende Funktion.

Es dauerte noch Tausende von Jahren, bis die Schließe als schmückendes Element auf die Vorderseite eines Halsschmucks wandern durfte. Bis dahin führte sie ein zwar reizvolles, aber eher verborgenes Dasein im Nacken ihrer Trägerinnen. Dort, nicht selten unter zarten Locken oder üppigem Haarwuchs verborgen, musste sie die Enden der unterschiedlichsten Kreationen für Hals und Dekolleté zusammenhalten. Selbst mit magischer Ausstrahlung im Blickpunkt zu stehen, war ihr Jahrtausende lang verwehrt.

Dass die Schließe aber schon in der Vor- und Frühgeschichte zu einem Schmuckstück wurde, hat sie einem genialen Instrument zu verdanken, das erstmals Schmuck und Funktion in idealer Weise verband. Weil offenbar das Nähen früher mühsam war, erfanden die alten Völker Eurasiens die Gewandnadel, auch Fibel genannt. Ihr Name stammt von dem lateinischen Wort fibula, gleichbedeutend mit fibigula, dessen Grundform figere nichts anderes als heften oder stecken bedeutet. Die Bezeichnung für die meist auch als Schmuckstück dienende, metallene Nadelkonstruktion (bestehend aus Nadel, Bügel und Feder) zum Zusammenheften der Kleidung erfüllt heute in der Archäologie eine wichtige Funktion. Die Fibel gilt wegen ihrer Zuordnung zur Tracht, ihrer Modeabhängigkeit und ihres Formenreichtums als eines der wichtigsten Hilfsmittel für die Vorgeschichtswissenschaft. An den Fibelformen können chronologische Stufen und regionale Volksgruppen unterschieden werden. Ihre spezifischen Bezeichnungen erhielten die verschiedenen Fibeltypen nach ihrer Form (z.B. Adlerfibel, Augen- oder Armbrustfibel), nach ihrem Verbreitungsgebiet (z.B. Lüneburger Fibel) oder nach einem Fundort. Als älteste Fibel gilt die zweigliedrige goldene Plattenfibel aus dem anatolischen Fürstengrab von Alaca Hüyük (3. Jahrtausend v. Chr.). In Europa waren gegen Ende der älteren Bronzezeit (14./13. Jh. v. Chr.) sowohl ein- wie zweigliedrige Formen in Gebrauch. Das Entstehungsgebiet der eingliedrigen Fibel (Violinbogenfibel und Bogenfibel), die unserer Sicherheitsnadel als Vorbild diente, liegt im Süden und Südosten Europas. In der jüngeren Eisenzeit vom 5. bis 1. Jh. v. Chr. hielten Fußzier-, Tier- und Maskenfibeln Felle und Gewänder zusammen und zogen die Blicke auf sich. In der römischen Kaiserzeit wurde die Augenfibel wichtig, die auch als Vorbild der Fibel im Mittelalter diente, dem letzten Höhepunkt der Gewandnadel.

Die Goldschmiede der Romanik gestalteten ihre Fibeln mit Edelsteineinlagen und Nielloverzierungen. In der Glasmalerei der Nordrose des Freiburger Münsters aus der Zeit um 1250 findet sich in dem Motiv „Fremde beherbergen“ ein besonders plastisches Beispiel für eine goldene Fibel, die eine reiche Dame mit gelbem Umhang ziert. In der Falkenausgabe aus dem 13. Jh. thront der Stauferkaiser Friedrich II. mit blauem Gewand, das am Hals von einer runden Fibel zusammengehalten wird.

Brosche

Entwurf von Franz Boeres (1904-05),

Ausführung von Theodor Fahrner,

aus Silber, Emaille und zwei Perlen.

Schließe

für mehrreihiges Perlcollier der

fränkischen Tracht, 19. Jahrhundert.

Aus Silber, teilvergoldet.

Gürtelschließe mit Löwenkopf

René Lalique, Paris um 1900.

Kunstgewerbemuseum der Stadt Köln.

Halsbätti mit Röslistücken

Kropfband. Vergoldetes Silber,

Granatperlen, Schweiz, 2. Hälfte des

19. Jh. Als Schließe dient ein einfacher

Haken mit Öse unter dem Mittelteil.

Gemme

Schließe von Jörg Heinz

mit Kamee, Perlen und Diamanten.

Schließe 1977

Kreative Schließe mit Perlen und

Diamanten um 1977 von Jörg Heinz.

(mit Broschierung).

Mystery Sphere

Schließe aus der aktuellen

Kollektion von Jörg Heinz.

Nähere Verwandte

Die nächste Verwandte der Fibel ist die uns bis heute bekannte Brosche. So ist in Meyers Enzyklopädischem Lexikon zu lesen: „Brosche, franz. Anstecknadel in der weiblichen Mode, aus Edelmetall, oft mit Steinen verziert. Die Brosche kann ausschließlich Schmuck sein, aber auch zum Zusammenhalten, z.B. eines Kragens dienen und so die Funktion einer Fibel übernehmen. Frühe Formen der Broschen finden sich in der Renaissance.“ Das Lexikon spricht von der Blütezeit der Brosche im 19. Jahrhundert in der Zeit des Biedermeiers und erwähnt, dass die Brosche um 1900 eine Nachblüte in den dekorativen Jugendstilformen erlebte. Über die Schließe selbst sagt das Lexikon: „Bezeichnung für einen nicht spezifischen Verschluss an Kleidungsstücken; hervorzuheben sind kunstvolle Schließen an kirchlichen Gewändern des Mittelalters; auch Fibel, Brosche.“ Womit die enge Verflechtung zwischen Fibel, Brosche und Schließe bestätigt wäre.

 
Das kreative Streben der Goldschmiede und Künstler der Vergangenheit, Blickpunkte zu gestalten, wird durch weitere, der Schließe und Brosche ähnliche Schmuckobjekte dokumentiert, die ganz auf eine Schließenfunktion verzichten. Bis zum 16. Jahrhundert finden sich häufig an Gewändern und Hüten festgenähte Agraffen. Die Agraffe, auch Gewandschmuck genannt, ähnelt in ihrer Form der Brosche und der Scheibenfibel, ist als Blickfang jedoch fest mit dem Kleid oder Hut verbunden. Während die Agraffe als dekorierte Scheibe auftritt, fordert der Bisamapfel die europäischen Goldschmiede im späten 15. Jahrhundert heraus, kunstvolle, vollplastische Kugeln zu gestalten. Die in der Renaissance in Mode gekommenen Bisamäpfel waren aber nicht nur als Schmuck gedacht, sondern enthielten noch eine andere Kostbarkeit, nämlich stark duftendes Moschus.

Form enthält Funktion

Auf dem Weg der Schließe zu einem vollwertigen Schmuckobjekt spielte die Gürtelschnalle eine nicht unwesentliche Rolle. Ihre exponierte Position am Bauch konnte der Mode nicht entgehen. Und weil die Hände leichter vorne als am Rücken hantieren können, gab es auch nie einen Zweifel darüber, wo die Gürtelschnalle zu positionieren ist. Der Blickpunkt Bauch, in manchen Epochen ein geschätztes Zeichen von Wohlstand, bot sich zur dekorativen Verzierung an. Im Biedermeier des 19. Jahrhunderts waren Gürtelschließen richtig en vogue. Sie wurden nicht selten im Kunsteisenguss hergestellt, wie jene von Siméon Pierre Devaranne aus Berlin. Sie ist zu sehen in der Sammlung des Kunstgewerbemuseums der Stadt Köln, wo sich auch eine auffällige Gürtelschließe aus zwei ineinander gehakten Löwenkopfmedaillons befindet. Diese entstand um 1900 und wurde von dem Pariser Goldschmied René Lalique gestaltet. Die Löwenköpfe sind untypisch für die Formensprache des bedeutenden Schmuckkünstlers des Jugendstils. Es handelt sich wohl um ein Motiv, das sein Auftraggeber von einem Türklopfer entlehnt hat. Auf der Rückseite dieser martialischen Schließe befinden sich jeweils drei Ösen aus flachem Draht zur Befestigung am Gürtel.

 
Das 20. Jahrhundert brachte durch den Jugendstil und den dekorativen Formenreichtum des Art déco zahlreiche neue Schmuckformen und -gattungen hervor. Aber erst in der zweiten Hälfte gelang der technisch perfekten, vollkommen integrierten Schmuckschließe für Halsschmuck durch die Entwicklung von Jörg Heinz aus Pforzheim der Durchbruch. Zwar gab es bereits im 19. Jahrhundert Schmuckstücke, die vorne zu schließen waren. Ein Beispiel zeigt das „Halsbätti mit Röslistücken“ aus der Schweiz. Dieses im Trachtenschmuck nicht unübliche Kropfband weist ein Mittelteil auf, das markanter als die anderen Zwischenteile gestaltet ist. Um eine harmonische, nicht durch die Schließe gestörte Gestaltung zu erreichen wurde sie einfach durch das Mittelteil verdeckt.

Jörg Heinz

Die Schließen von Jörg Heinz sind hingegen variantenreich gestaltete Kugeln oder Schmuckelemente, in denen der präzise Schließen-Mechanismus völlig verschwindet. Dies gelingt bei dem von Goldschmieden gestalteten Kastenschloss, das ebenfalls auf der Vorderseite einer Kette getragen werden kann, nie völlig. Die Schmuckschließen von Jörg Heinz, die mit Hilfe von Hightech-Maschinen gefertigt werden und so manchen Nachahmer auf den Plan gerufen haben, setzen den vorläufigen Schlusspunkt unter ein Kapitel in der Kulturgeschichte der Schließe. Sie begann, als die Menschen der Bronzezeit die Enden eines Kupferreifs gebogen haben, um diesen am Hals zu tragen. Ungezählte Generationen von Goldschmieden und Schmuckherstellern haben seitdem daran gearbeitet, das Schmuckschloss zu verbessern. Die Schmuckschließe von Jörg Heinz hat ihren Platz eingenommen neben anderen Verschlüssen wie dem Ringfederverschluss oder dem Kastenschloss. In keinem anderen Prinzip verbindet sich so vollkommen und harmonisch die perfekte Funktion mit dem jahrtausendealten Schmuckbedürfnis, einen Blickfang zwischen Hals und Dekolleté zu setzen.